Imkerei

 

 

 


J. Euhus, H. Inselmann Korbimkerei anno 2018

 

 

 

 

 

 

 

 


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Imkerei in Wietzendorf

Bienenvölker

Die Bienenhaltung spielte bei vielen Bauern im Kirchspiel Wietzendorf eine wesentliche Rolle. Auf den Verkoppelungskarten aus der Mitte des 19. Jahr- hunderts sind an vielen Stellen in der Dorfflur Immenzäune zu erkennen. Kaum ein größerer Bauer ließ sich diese bis ins 19. Jahrhundert hinein gute zusätzliche Einnahmequelle entgehen. So betrieben in Bockel über die Hälfte der Hauswirte bis weit ins 20. Jahrhundert hinein intensive Bienenzucht. Wie sehr verbreitet die Bienenhaltung in Wietzendorf und Umgebung war, läßt sich auch daran erkennen, daß fast jedes Mädchen als Bestandteil der Naturalaussteuer vom elterlichen Hof Honig und häufig auch Bienenvölker mit in die Ehe bekam. Sofern Heideflächen nicht zu weit entfernt lagen, befand sich das Imtum, wie es in Wietzendorf und Umgebung genannt wurde, meist in der Nähe der Höfe. Viele Höfe beschäftigten einen eigenen Imker, dem einige Knechte zeitweise helfen mußten. Das Imkerhandwerk erlernten die meisten Imker dadurch, daß sie mehrere Jahre einem erfahrenen Imker zur Hand gingen. Nicht selten übernahm ein jüngerer Bruder des Hofbesitzers diese Aufgabe. Als Entlohnung für seine Arbeit erhielt ein solcher Imker für sich und seine Familie freie Kost und Wohnung in seinem ehemals elterlichen Haus und sogenannte Leibimmen, also Bienenvölker, deren Erträge ihm allein zustanden. Neben dem eigentlichen Imker betrieben jedoch auch Altenteiler und gelegentlich die Hofbesitzer selbst Bienenzucht. Auch von Kleinbauern und Häuslingen wissen wir, daß sie sich gelegentlich Bienen hielten, doch stand bei ihnen im allgemeinen die Selbstversorgung im Vordergrund. Bereits lange vor der Zeitenwende war die Ausbeutung von wilden Bienen als Honiglieferanten bekannt. Seit dem frühen Mittelalter entwickelte sich eine kon- tinuierlichere und intensive Nutzung. Der tyische Heidebienenkorb, Lüneburger Stülper genannt, wurde vermutlich seit dem 15./16. Jahrhundert verwendet. Diese Korbart, die trotz der Neuerungen in späteren Zeiten teilweise noch heute bei den Imkern Verwendung findet, besteht aus Strohwülsten, die durch einen Ring gezogen und mit gespaltenen Tan- nenwurzeln zusammengeflochten wurden. Der fertige Korb wurde noch mit einer schützenden Kuhmistschicht überzogen und konnte bei guter Pflege fast 100 Jahre lang genutzt werden.

Für größere Höfe, die die Bienenzucht über das Selbstversorgungsmaß hinaus betrieben, stellte der Verkauf von Honig und Wachs eine der wenigen Möglichkeiten dar, in etwas größerem Ausmaß zu Bargeld zu gelangen. Der Erlös aus dem Verkauf von Wachs lag dabei deutlich über dem des Honigs. Abnehmer für Wachs waren in der Lüneburger Heide vor allem die Wachsbleichen in Celle, die Kerzen für Kirchen und städtische Haushalte herstellten, während dagegen in den bäuerlichen Haushalten bis ins 19. Jahrhundert hinein Kienspäne und Ölkrüsel für die Beleuchtung verwendet wurden. Die Bedeutung der Bienenzucht für die Heidewirtschaft läßt sich auch an den Preisen, die für Bienenvölker, Honig und Wachs gezahlt wurden, verdeutlichen. Ein Pfund Honig kostet um 1820 etwa drei bis
21 Mariengroschen: für einen Bienenkorb mir Volk mußten um 1840 etwa drei Taler bezahlt werden. Als Vergleichswert mag der Preis einer durch schnittli- chen Kuh gelten, für die im gleichen Zeitraum um sieben Taler gezahlt werden mußten.  Die große Anzahl der Immenzäune, die wir auf den Verkoppelungskarten erkennen können, spiegeln zugleich auch einen Umfang in der Bienenhaltung wider, der mit Abschluß der Agrarreformen deutlich abnahm. Verantwortlich dafür waren verschiedene Umstände. Zum einen verringerte sich die Schafhaltung, zum anderen verkleinerten sich dadurch und durch die systematisch betriebene Aufforstung die Heideflächen und damit die Nahrungsmöglichkeiten der Bienen. Auch der Anbau von Buchweizen, der neben der Heide die wichtigste Bienenweide darstellte, wurde nach den Agrarreformen stark reduziert, so daß sich im Regierungsbezirk Lüneburg die Anzahl der Bienenvölker im Zeitraum von 1873 bis 1928 von etwa 75 000 auf etwa 36000 verringerte. 1977 wurden schließlich nur noch 8922 Völker gezählt.


Quelle: Wietzendorf, Einst und jetzt, Geschichte eines Heidedorfes
Autorin: U. Begemann 1992
Rechte: Gemeinde Wietzendorf


 

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